Skip to main content

TrailriderInnen auf Erkundung am Alpenhauptkamm

Wieder mal hat vier TrailriderInnen die Abenteuerlust gepackt und sie begaben sich Mitte August auf eine 8-tägige Erkundungstour, die überwiegend im Nordtessin verlief. Start war in Graubünden, genauer gesagt in Disentis. Es folgten Maighelspass, Gotthard, Nufenen, Griespass, Piora-Hochebene, Bleniotal und über den Lukmanier ging es zurück nach Disentis.

Die Straßenpässe wurden nur kurz touchiert und führten trotzdem zu extremer Klima–Depression bei Wilma. Ein Glück, dass schon relativ kurz hinter den Asphaltbändern auch bald die letzten offiziellen und dann inoffiziellen Parkplätze der Wohnmobilfahrer endeten und der Krach der aufgemotzten Motorräder und Sportautos verklang. Weiter als einen halben (MTB-)Tag waren wir nie von der „Zivilisation“ entfernt … und doch sooo weit weg!

Am Maighelspass

Trotz der vielen zähen Schiebe-Einheiten und der vielen Trails kamen wir auf 315 km und beinahe 12.000 Höhenmeter. Eine Wahnsinns-Leistung, die man uns – so von außen betrachtet und in Anbetracht unseres Alters – nicht unbedingt zutraut. Aber wer uns kennt, der weiß, wie zäh wir sind.

auf dem Posmeda (Gotthard-Region)

Das Manko an der herrlichen Strecke, die nahe am Alpenhauptkamm verläuft, liegt darin, dass sie komplett in der Schweiz liegt. Tolles Panorama, super Wege, aber absolut irrsinnige Preise … Wir nächtigten daher in Vierer-Zimmern und waren sehr froh, dass unsere Jüngste lediglich 54 Lenze auf dem Buckel hat und daher noch leidlich beweglich ist: Sie musste immer im Stockbett oben schlafen 🙂

Mehrfach übernachteten wir auch auf Hütten, die vom Preisniveau her erträglich sind, die aber in diesem Jahr die Mitnahme eines Schlafsackes erforderten: Wegen Corona wurden keine Decken zur Verfügung gestellt. Aber so ein Überroll-Schutz am Lenker, wo ein Schlafsack sein Plätzchen fand, gibt zusätzliche Sicherheit 😉

Nun ja puttygen download , die Preise führen auch zu gesünderem Leben: Wenn ein Bier am Abend so 7 bis 9 Fränkli kostet, dann verkneift man sich das zweite. Ist ja auch besser für die Regeneration! Und auch der Spritzz zur Ankunft wurde gestrichen – bis auf die Bergankünfte nach den absolut genialsten Etappen.

Auf jeden Fall ist klar, dass diese Reise ins Trailrider-Programm aufgenommen werden muss. Die Highlights sind nur schwer zu greifen, weil ich ALLES so schön fand. Für mich waren die Höhepunkte die spektakuläre Nähe zum Gletscher und die Landschaft am Griespass, die 1400 Abwärts-Meter feinsten Trail-Genusses vom Passo Sole nach Olivone, die eindrucksvollen Bunkeranlagen am Gotthard, die Piora-Hochebene (die wir leider nur in den Wolken erleben durften), die Almwiesen bei Dötra, die zum Kulturerbe der Schweiz gehören, die wunderbar gelegene Capanna Cadagno und die total nette Wirtin der Capanna Gorda. Aber wie gesagt: Eigentlich war jeder Tag einzigartig und schön. Wir touchierten jeden Tag die 2000-er Höhenlinie und waren an drei Tagen sogar höher als 2400 müM. Durchschnittlich kamen wir auf 1500 Höhenmeter am Tag – durchaus mal in unwegsamem Gelände (s.u.). Wer öfter mal mit dem Mountainbike unterwegs ist und dabei seinen 7-Kilo-Transalp-Rucksack (und gelegentlich auch sein Fahrrad) schultert, der weiß, was das bedeutet.

Kleine Schiebepassage…
… und am nächsten Tag war schon wieder Schieben angesagt …

Liebe Regine, Tina und Sabina: Tausend Dank, dass ihr mit mir auf Wegsuche wart, dass ihr so unkompliziert seid, dass ihr eure gute Laune nie verloren habt, dass ihr so viel Begeisterung für Berge und Natur aufbringt, dass ihr mich gerne begleitet (obwohl wir manchmal genauso lang gehen wie fahren) und dass ihr seid, wie ihr seid.

Wilma

PS Und im Nachhinein ist man immer klüger: Der wunderbar gelegene Lago di Cadagno ist ein Unikum in Europa: Dort herrscht das Phänomen der geogenen Meromixis (das klingt so abgefahren, dass ich es hier unbedingt noch anbringen musste) d.h. Oberflächen- und tieferes Wasser mischen sich nicht. Zum dortigen Forschungszentrum kommen jedes Jahr mehr als 2000 Forscher. Ist also gar nicht so schlimm, dass wir erst bei Sonnenuntergang dort auftauchten: Ich nehme an, wir hätten dort eh nicht baden dürfen 😉