Skip to main content

Tre Laghi

11 Trailrider waren Anfang Oktober unterwegs zwischen Comer See, Luganer See und Lago Maggiore: Insgesamt 8 Tage, 6 Gipfel, 13.650 Höhenmeter.

Geplant waren „machbare“ Höhenmeter und „gelegentliche“ Trails. Die Teilnehmer wurden darauf vorbereitet, dass man sich im Gegensatz zu einer Transalp auf niedriger Höhe und stets in Zivilisationsnähe befinde.

Also das mit der absoluten Höhe hat gestimmt …

Auffahrt am zweiten Tag

Gestartet wurde am Nordende des Comer Sees. Eine lange Auffahrt führte zum ersten, ehrenamtlich bewirtschafteten Rifugio San Jorio. Für manchen begann schon da die erste Runde der Selbsterfahrung: Wie gehe ich mit dieser Nordpolar-Kälte um? Wie ernähre ich mich von Polenta, wenn ich unter einer Polenta-Phobie leide? Aber alle Zweifel wurden vergessen beim Anblick des wunderbaren Sternenhimmels, bei der Sichtung von Wildschweinen, die nahe am Rifugio vorbeizogen und beim Röhren der Hirsche, deren klagendes Suchen nach einer Partnerin uns noch die ganze Woche begleiten sollte.

Erste Abfahrt der Tour: Finde die Radler!

Dafür schon am kommenden Tag nächste Zweifel: Wie kann ich einen ganzen Tag radeln, wenn ich in der Früh nur 2 Schluck Kaffee, eine dünne Scheibe Baguette und einen Zwieback bekomme?

Die Zivilisation war auch am nächsten Tag sehr weit entfernt – zumindest, wenn man darunter Bäckereien, Cafes, Geldautomaten und Apfelschorle versteht. Zwischen Nebelschwaden und Bergkuppen bewegten wir uns auf gerölligen, steinigen, steilen Wegen und bewunderten umso mehr die Einsamkeit und Schönheit der Landschaft.

Wen wundert es, dass in verzweifelter Angst vor der nächsten Teiletappe am Passo San Lucio eine unglaubliche Menge an Fleisch und käse-geschwängerten Pizzocheri verzehrt wurden („nein, bitte keine Polenta, wirklich, aber Sie haben nicht zufällig Apfelschorle?“).

Das weitere fröhliche Auf-und Ab bis zum Rifugio Monte Bar war angesichts der Magenfülle nicht einfacher zu bewältigen als mit der vorher herrschenden Magenleere.

Und dann das Rifugio Monte Bar: Coole Lage, bestes Essen, hervorragende Ausstattung, absolut empfehlenswert!

Die Nacht war allerdings für manchen recht kurz, wegen dem Hirsch im Nebenzimmer …

Mit Tag 3 kam die Sonne, die Wärme, die Fernsicht und endlich auch eine ganz kurze Durchfahrt zivilisierten Raumes: Ein Supermarkt!! Die Einsicht, dass man da nicht nur Müsliriegel sondern sogar Äpfel und Bananen kaufen kann, sickerte bei manchem Teilnehmer erst langsam zurück ins Gedächtnis. So fern waren wir gedanklich schon abgerückt …

In purer Angst vor weiteren Hungerattacken kaufte sogar unser Schweizer-Preise-Verächter („können wir nicht kurz über die Grenze?“) zwei große Packungen Müslischnitten. Nicht ungeschickt, denn am daraufhin anvisierten Rifugio Tamaro hätte er zum gleichen Preis nicht mal einen Teller Polenta bekommen (Polenta!… kicher…). Bei dem Preisgefüge nützte es auch nichts, dass Andrea standhaft behauptete, am Umbrailpass sei es noch teurer.

Aber der Ausblick: Genial. Endlich waren die versprochenen Walliser Riesen zu sehen: Monte Rosa Gruppe, Dom, Weißhorn,… und dazwischen lugte ein klitzekleines Matterhorn hervor.

Das war dann schon am Monte Lemma …

Wunderbare bis knifflige Trails führten uns ins Tal: Ein Paradies für uns Trailrider.

In täglichem Auf- und Ab bewegten wir uns weiter über Monte Lema zum Lago Maggiore, Monte Piambello zum Luganer See, Monte Generoso und Monte Crocione zum Comer See, mit Fähre nach Varenna und zuletzt über Monte Legnoncino nach Colico.

Oft waren wir ganz alleine unterwegs auf Wegen und Trails, stießen gelegentlich auf touristisch erschlossene, überlaufene Gipfelziele um dann am nächsten Gipfel wieder ganz alleine zu sein.

Dass die Reise dann doch anstrengender war als angedacht, machte sich dann am letzten Tag bemerkbar, als der einen seinen Handschuh suchte und im Mülleimer wiederfand, eine sich schon nackig machte, obwohl das Wechselshirt in 100 m Entfernung hing, die andere aus lauter Gefühl der Verlassenheit („wo seid ihr denn alle?“) am Trail plötzlich zu weinen begann, jemand noch vor Ende der Tour zur Wiederbelebung einen Sprizz brauchte und selbst unser Downhiller den letzten Trail ausließ („jetzt reichts!“). Wir hatten fertig!

Aber nächstes Jahr tun wir´s wieder, oder?

Eure Wilma

2 thoughts to “Tre Laghi”

  1. … coooool – Ihr habt das schon richtig gemacht – wärend es hier in Strömen geregnet hat und sich so manch einer seinen Kater im Bierzelt geholt hat, habt ihr den Hirschen die Polenta weggefressen und die Schweizer mit Geld gefüttert. Und Trails waren auch noch da! Und fette Höhenmeter! Hätte gerne mitgemacht!
    Christoph

  2. …ja, es war echt schön. Aber nicht nur das gute Wetter, die fantastischen Ausblicke, die anspruchsvollen Auf- und Abfahrten, die Kulinarik mit Tiefen und Höhen (Grappa!!), die mehr oder weniger großen Schmerzen irgendwo am Körper, vor allem war die Truppe echt coooool!! Es ist echt toll mit so einer harmonischen Gesellschaft so schöne Erlebnisse gemeinsam genießen zu können! Danke, dass ich dabei sein durfte!!
    Stefan

Schreibe einen Kommentar