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“Bei schönem Wetter kanns ja jede(r) …”

Oder: “Davon werden wir noch unseren Enkeln berichten” (O-ton von anderen, wesentlich jüngeren Transalpern, die wir unterwegs getroffen haben).

Wir haben es durchgezogen und sind saumäßig stolz auf uns!

Wir sind zu zwölft in Brixen gestartet und nach rund 12.500 Höhenmetern zu siebt in Riva am Gardasee angekommen.

Das bisschen “Schwund” war eingerechnet, da vier von uns leider nur 4 Tage Zeit hatten. Nur der Abbruch von Doris schon nach dem ersten Tag kam unerwartet und hat uns alle sehr getroffen. Sie hat wohl schon von zuhause eine Virus-Grippe mit angeschleppt. Das war dann doch zu viel “Gepäck” für die ansonsten fitte und gestählte Radlerin. Wir hoffen, es geht dir wieder gut !!

Unser Weg führte uns über Radelseehütte, Rittner Horn, Meran 2000, Vigiljoch, Rabbijoch, Madonna di Campiglio, Bärenpass und Tremalzo: Ein paar unübliche und ein paar klassische Ziele …

Am Rittner Horn

Ganz “klassisch” war ja unsere Reise sowieso nicht. Nicht nur, weil wir nicht auf der Alpen-Nordseite gestartet sind, sondern auch weil wir wieder mal 11 Frauen waren, die man wie immer schon aus weiter Ferne hörte (Kommentar einer Beobachterin: “Unglaublich, jetzt kennt ihr euch schon so lange und habt trotzdem immer noch sooo viel zu reden….).

Meran 2000

Nach wie vor sind auch immer noch viele Menschen der Überzeugung, wir würden das ohne Unterstützung von Männern, E-Motor, Gepäcktransport oder zumindest Shuttle-Diensten nicht auf die Reihe kriegen. Was musste eine von uns im Vorfeld hören: “Latzfons?? Sarntal? Meran 2000? Da geht´s aber schon rauf … das wisst ihr, oder?” Ja, das wissen wir! Zumindest jetzt wissen das alle, die dabei waren und die durchschnittlich gut über 1500 Höhenmeter am Tag gefahren sind.

Trail zur Meraner Hütte

Ich auf jeden Fall bin sehr stolz auf uns 🙂

Da war nämlich noch was anderes: Das Wetter!!

Wie wohl kaum jemand entgangen ist, konnte das keine Reise für Schönwetter-Fahrer, Warmduscher oder Wolken-Verächter sein. Es hat auch nur an zwei Tagen NICHT geregnet. Sonst hat es uns an jedem Tag der Regen zumindest einmal erwischt.

Blick von der Gampl-Alm

Aber wir hatten Glück: Oft war es nur ein bisschen Nieselregen und im Gewitter standen wir nie!

Wer selbst schon mal bei solchen Wetterlagen unterwegs war, der weiß, dass man entweder Nerven aus Stahl oder ein sehr sonniges, optimistisches Gemüt braucht, um sich trotzdem jeden Morgen auf die Strecke zu machen – ständig mit Regen und Gewitter-Risiko, Zeitmanagement, Umkehrpunkten und Plan A/B/C-Szenarien im Kopf.

Die Aussicht hätte dementsprechend oft besser sein können. Kann mir beispielsweise jemand mit Sicherheit sagen, ob die Brenta-Dolomiten wirklich EXISTIEREN? Ich seh da immer nur Wolken und Regen.

Wo nur sind die Brenta-Dolomiten ???

Dennoch: Es war ÜBERWÄLTIGEND!!

Abfahrt von der Haselgruber Hütte

Nicht missen möchte ich die Morgenstimmung am Rauhen Bühl, als sich die nächtlichen Unwetter verzogen hatten und wir über Pfützen und Hagelkörner oberhalb der Wolken dahinfuhren. Oder die Abendstimmung auf der Haselgruber Hütte, als sich der Regen legte und wir nochmal aus der Hütte konnten und eine ganz mystische Stimmung am Berg erleben durften, oder die heilige Ruhe am Lago di Val Agola und überhaupt die Luft, die jeden Morgen ganz “frisch gewaschen” daher kam, oder die Tatsache, dass wir oft ganz alleine unterwegs waren, ….. Es war ein Traum.

Am Rauhen Bühl
An der Haselgruber Hütte
Lago di Val Agola

Wir können als kurze Zusammenfassung jedenfalls folgendes berichten: Die meiste Zeit fuhren wir im Trockenen, unsere Ziele haben wir alle erreicht und unser Kopf ist voll mit wunderbaren Eindrücken.

Und das Gefährlichste waren nicht etwa die nassen Trails, sondern die Abfahrt von Ponale zum Gardasee: Da geht´s ja zu wie am Stachus – da muss man sich dann nach so einer Tour erst mal wieder dran gewöhnen.

Die Gruppe war wunderbar und ohne jede Meckerei. Aber so sind die Trailrider 🙂

Ich danke euch für die nette Begleitung !!

Liebe Grüße

Wilma

“Ihr seid’s ja bocknarrisch!”

Die Ankündigung im Tourenprogramm für die 3-Tages-Tour im 3-Ländereck konnte abschreckender nicht sein: ” Kondition: extrem – Dauer: >12h täglich- nur wenige Pausen möglich – 7600hm – sehr hoher Trailanteil (S3) – kein Gepäcktransport”.

Dennoch ließen es sich 8 unerschrockene Trailrider nicht nehmen, sich von Quirin und Markus durch die Region um Reschensee, Livigno und Ortler führen zu lassen. Und die Strapazen lohnten sich. Es waren nahezu 3 perfekte Bike-Tage!

Wir starteten in Nauders und fuhren die erste Etappe der diesjährigen Transalp-Challenge nach. Über 3000hm und 96km! Abfahrt: 7.00 Uhr s.t.! Schon nach der ersten Bergankunft ließen unsere Guides ihr stringentes Zeitmanagement durchblicken. “Steffi, wir sind hier nicht auf Damentour” mahnte Quirin mit strengem Blick auf einen entleerten Rucksack. Wir lernten die ersten ausgewiesenen “3-Länder-Trails” kennen -Wanderer verboten!-  und radelten an Panzersperren und Bunkern aus dem 1. Weltkrieg zum Reschensee runter. Es folgte ein 1300hm langer Anstieg hinauf ins Val Mora. Meterhohe Blumenwiesen – wunderschön, aber nichts für unsere Allergiker.Eine Hitzeschlacht bei bis zu 38 Grad -Markus legte sich zur Abkühlung mit kompletter Montur in einen Bach. Bei einer doch kurzen Mittagspause mit Blick auf an einem Pool liegende Hotelgäste hinterfragten wir unser Freizeitverhalten.

Aber wir machten das Richtige! Eine atemberaubende Bergkulisse und eine super Abfahrt entschädigten uns. Und dann dieser Kontrast: auf dem Passo Trela in 2300m Höhe mussten wir Schneefelder überqueren und sanken bis zum Knie ein. Die perfekte Eistonne für unsere geschundenen Waden. Glücklich in Livigno angekommen, waren wir alle platt.

Der viele Schnee machten Pedenolo und Goldseetrail unmöglich. Für Tag 2 musste umgeplant werden. Dafür bekamen wir jede Menge “Airtime” im Mottolino Bikepark, den wir dank der noch geschlossenen Lifte für uns allein hatten. Noch völlig berauscht kurbelten wir im Kampf mit vielen E-Bikern um die beste Linie das steile Val di Alpisella rauf, um nach der Querung entlang der Stauseen die Herausforderung des Tages anzugreifen: die Passstraße hoch zum Stilfserjoch auf 2758m ü.NN. 35 Kehren und jede Menge Motorradfahrer – Ohrstöpsel gehören künftig auf die Packliste! Wir kämpften alle. Nur unser gelgedopter Guide Markus flog förmlich plötzlich an allen vorbei ( ” ich fühle mich irgendwie total high”). Auf den anspruchsvollen Trails mit vielen Spitzkehren hinunter ins Vinschgau hieß es nochmals “högschde Konzentration”, um pünktlich zum EM-Spiel von Jogis Jungs in Laatsch zu sein. ( Christian wurde erst eine Woche später aufgeklärt, dass es sich nicht um das 40 km entfernte Latsch mit einem a handelt, wo wir 14 Tage zuvor die Trailtage verbrachten!)

An Tag 3 hatten wir schon um 10.30 Uhr 1300hm in den Beinen, jede Menge Trailspaß oberhalb des Reschensees und unsere Mittagspause in der Schönebenhütte. Die Küche war noch zu, aber es gab immerhin Kaiserschmarren. “Ihr seid’s ja bocknarrisch” meinte die Bedienung, als wir 10 davon haben wollten. Die Gruppe war nicht nur auf dem Rad sehr homogen. Gut gestärkt nahmen wir die letzten 700hm in Angriff und wurden zum Abschluss mit dem 3-Länder-Trail verwöhnt, der einem jeden von uns ein breites Grinsen ins Gesicht trieb und Freudenlaute durch den Wald hallen ließ.

Wir waren glücklich und ohne nennenswerten Stürze angekommen! Im Namen von Steffi, Meike, Marie, Peter Sauerwein, Christian, dem super kämpfenden Tommy,Maxi und mir ein herzliches Dankeschön an unsere Guides für die Planung, Orga, ein perfektes Guiding und 3 unvergessliche Tage!

Euer Michi